Ehrenbürger

HEINRICH WILL

Heinrich Will - Bürgermeister von 1972 bis 1990

Er gehörte mit Sicherheit zu denjenigen Bürgermeistern, denen das Wohl der Gemeinde wichtiger war, als der persönliche Reibach. Heinrich Will, CSU-Bürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde, starb im Januar 2013 im Alter von 77 Jahren. Kurz vor seinem Tode hatte Will noch verfügt, wer auf seiner Beerdigung reden darf und wer nicht. Will hat zeitlebens im Hinblick auf künftige Steuereinnamen für die Ansiedlung von Gewerbe geworben. Unter anderem ist er der geistige Vater des Gewerbeparks Gilching Süd, das sich zum finanziellen Glücksfall für die Gemeinde entwickelt hat.
Als Heinrich Will, Landwirt und über viele Jahre Geschäftsführer des Starnberger Maschinenrings,1972 gefragt wurde, für die CSU als Bürgermeisterkandidat den Amtsinhaber aus dem Sessel zu hieven, reagierte er erst zögerlich. Doch er ließ sich überreden und gewann gegen den parteilosen Johann Krammer (1956 bis 1972). Der Zeit weit voraus bestritt Will den Wahlkampf schon damals unter dem Slogan „www“. Erst nach und nach wurde der Code gelüftet. Mit „wir wollen Will“ zog seine Mannschaft letztendlich in den Endkampf.

In Wills Amtszeit fielen unter anderem der Bau des Schulzentrums an der Talhofstraße sowie der Bau mehrerer Kindergärten. Am liebsten jedoch hielt sich der ehemalige Kreisrat (1972 bis 2002) und langjährige Vorsitzende des Krankenhauszweckverbandes Seefeld im Wald auf. Dort kannte er jede Höhle, jeden Zweig und auch den Unterschlupf des so genannten Waldmenschen.

Wer Hilfe brauchte, war bei Heinrich Will an der richtigen Adresse. Unabhängig von Parteibuch und politischen Ambitionen, setzte er sich für sozial Schwächere ein. Am 8. Mai 2002 sprach sich der Gemeinderat Gilching einstimmig dafür aus, Heinrich Will die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Anlässlich der Feierstunde am 10. Oktober 2002 im Christoph-Probst-Gymnasium hielt der einstige Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks, Dr. Ernst Emrich, die Laudatio. Titel: „Politisch Lied ein garstig Lied“. Uli Singer

RUDI SCHICHT

Rudi Schicht (links) und Tim Weidner

Gilching – Eine ganz besondere Auszeichnung wurde Rudi Schicht aus Gilching am 1. Dezember 2006 zuteil. Der ehemalige Kommunalpolitiker, Lehrer und Initiator vieler Projekte erhielt auf Anregung der Kreis-SPD für seine Verdienste die Georg-von-Vollmar-Medaille verliehen. Starnbergs Kreisvorsitzender Tim Weidner stellte beim Festakt fest: „Rudi Schicht ist ein Mann der ersten Stunde. Er beeinflusste über Jahrzehnte hinweg die Geschicke des Landkreises.“
Sichtlich gerührt verfolgte Rudi Schicht im Schützenheim in Gilching die vielen Lobreden. Die Laudatio hielt Peter Paul Gantzer, Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Als Anlass für die Verleihung habe man sich den 60. Jahrestag der Bayerischen Verfassung ausgesucht, betonte Gantzer. Denn seit 60 Jahren ist auch Rudi Schicht aktiv.
Der Geehrte erzählte, dass er 1946 aus Amerikanischen Gefangenschaft nach Hechendorf gekommen sei. „Und dann ging’s auch schon los mit der Politik.“ Zuerst schlug sich der passionierte Spdler mit Hilfsdiensten in der Landwirtschaft durch. „Dann haben sie mir eine Lehrerstelle angeboten. Ich konnte mich zwischen Herrsching, Inning und Gilching entscheiden“, sagte Schicht. Seine Wahl fiel auf Gilching. „Gilching war zwar arm und es hat einiges nicht gestimmt. Aber im Laufe der Zeit haben wir’s dann schon gerichtet.“
In den Annalen blätterte Tim Weidner und ließ Schichts Leben Revue passieren. 1946 sei er der SPD beigetreten und wurde auch gleich in den Flüchtlingsausschuss des Landkreises gewählt. Von 1948 bis 1990 saß er sowohl im Gemeinde- als auch im Kreistag. Von 1962 bis 1980 war er stellvertretender Landrat und dritter Bürgermeister der Gemeinde Gilching. Schicht, der 1978 das Bundesverdienstkreuz erhielt, war auch treibende Kraft, als es um die Gründung der Volkshochschule Gilching, des Blasorchesters und des Männerchors ging. Letzterer präsentierte dem neuen und laut Weidner auch einzigen im Landkreis lebenden Träger der Georg-Vollmar-Medaille ein Ständchen. Bei der Medaille handelt es sich um die höchste Auszeichnung innerhalb der SPD.
Die Ehrenbürgerwürde wurde Rudi Schicht am 26. November 1993 verliehen. Am 28. April 2012 starb er mit 91 Jahren.
Uli Singer

JOHANN KRAMMER

Johann Krammer

Gilching - Johann Krammer, Altbürgermeister und Ehrenbürger, starb am 22. April 2009 im Alter von 89 Jahren. Mit ihm verbinden die Gilchinger nicht nur fortschrittliches Denken und zukunftsweisende Gemeindepolitik. Ihm wird auch eine Portion Humor und soziales Handeln nachgesagt. Schon als Kind musste er im Laden der Eltern mithelfen. Nach den Kriegsjahren, die für Krammer in einem russischen Gefangenenlager endeten, traf den Heimkehrer der neue Anfang schwer.

Zusammen mit überparteilich gesinnten Freunden bildete er eine aktive Gruppe und wurde am 1. Mai 1948 mit einem überwältigenden Stimmenanteil in den Gemeinderat gewählt. 1956 wurde er zum Gemeindeoberhaupt gewählt, das blieb er bis 1972. Am 28. Dezember 1989, an seinem 70. Geburtstag, wurde Johann Krammer die Ehrenbürgerschaft verliehen.