Eine Welt Laden

Einbrecher entpuppte sich als Kundin

Es fing alles ganz harmlos an. Vor zwanzig Jahren beschlossen Maria und Fritz Nömayr, die für einen Weihnachtsbasar zur Verfügung gestellten Waren zusätzlich auf Flohmärkten zu verkaufen und den Erlös für wohltätige Zwecke zu spenden. Die Idee sprach sich schnell herum, zumal das Ehepaar durchaus mit Raritäten aufwarten konnte. Die Folge war, dass sie im Laufe der Zeit immer dann gerufen wurden, wenn es eine Wohnungsauflösung gab. Und deren gab es viele. Das Lager in der heimischen Garage war schnell voll und Nömayrs nun jedes Wochenende auf Flohmärkten in der Region zu finden. „Es war alles nicht geplant“, erzählt Maria Nömayr. Auch nicht, dass ihr vor zehn Jahren von Thomas Vilgertshofer kostenfrei ein geräumiger Laden im neuen Gilchinger Ortszentrum angeboten wurde. „Der Laden war täglich geöffnet und wurde innerhalb kürzester Zeit zum Renner“, freut sich die 78-Jährige. Als dann der FortSchritt-Kindergarten einzog, wechselte das Ehepaar in Räumlichkeiten an der Pollinger Straße. Der Zulauf ist ungebrochen. Mittlerweile engagieren sich 32 Mitarbeiter ehrenamtlich für das Projekt. „Sie sind alle voll beschäftigt, weil auch sehr viel im Hintergrund passiert“, betont Nömayr. Während sich die Frauen mehr um das Säubern und Aufpolieren der Waren, um die Deko und den Verkauf kümmern, sind die Männer unter Regie von Fritz Nömayr (80) vorwiegend für das Abholen der sperrigen Möbel im Einsatz.

Auch wenn viel Arbeit in dem Projekt steckt, es macht auch viel Spaß, gesteht Maria Nömayr. Zumal immer wieder Kuriositäten angeboten werden. „Unser größter Schatz war vor einigen Jahren ein König-Ludwig-Pferde-Schlitten“, erinnert sie sich. „Als Sitzgelegenheit auf den Kufen gab es eine überdimensionale Muschel, so eine, wie sie auch der Märchenkönig hatte. Heute steht diese Rarität auf einem Bauernhof, den sich ein Architekt irgendwo in Bayern eingerichtet hat.“ Der Geschichten gibt es viele. „Zwei Bücher könnte ich schreiben“, sinniert die Rentnerin im Unruhestand. Für Schrecksekunden habe vor Kurzem mal eine Kundin gesorgt, die sich in dem Laden so wohl fühlte, dass sie gar nicht merkte, dass über Mittag zugesperrt wurde. „Ich bin für eine Stunde nach Hause gefahren. Als ich wiederkam und aufsperrte, hatte ich das Gefühl, dass sich jemand im Laden aufhielt. Ich dachte sofort an einen Einbrecher.“ Für Nömayr hieß es nun, den Eindringling selbst zu stellen oder die Polizei zu rufen. „Ich habe mich dann ganz mutig in Position gestellt und laut gerufen, ist das jemand?“. Seelenruhig sei eine Kundin aus der Umkleidekabine im Untergeschoß gekommen, die gar nicht gemerkt hatte, dass der Laden zu war. „Sie war so begeistert vom Angebot und dass sie, ohne gestört zu werden, alle interessanten Klamotten durchprobieren konnte.“